Lehre in der Imbissbude
Das
Döner-Diplom
Von Jörg Hackhausen
Nicht mal Pizzen oder Hamburger verkaufen sich in Deutschland so gut wie Döner. Nun könnten Herstellung und Verkauf der Drehbraten zum anerkannten Ausbildungsberuf werden: Im Familienbetrieb sollen junge Türken in die Lehre gehen. Der Job erfordere "viel Know-how", sagen Befürworter. Handwerkskammern sind da eher skeptisch.
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Wahrscheinlich schmeckt der Döner in Zukunft noch besser, wenn die Industrie- und Handelskammer ein Zertifikat erteilt.
Achim Doerfer, Vorsitzender der "Liberalen Deutsch-Türkischen Vereinigung" (LTD), fordert, der Nachwuchs solle auch in der Döner-Bude eine reguläre Berufsausbildung absolvieren können. Die Qualität der Speisen bleibe dadurch hoch, und zugleich werde etwas für die Integration getan: "Die Ausbildung soll ein Angebot an junge Türken sein. Bildung und Berufschancen werden verbessert. Wir wollen eine Möglichkeit schaffen, dass Türken im Freundes- und Verwandtenkreis in die Lehre gehen können und einen formal anerkannten Abschluss machen." Eine gute Idee, findet jedenfalls Wolfgang Herman - der Wirtschaftsexperte der niedersächsischen FDP ist ganz auf Doerfers Seite.
Döner: In Deutschland Nummer eins beim Fast-Food
Immerhin ist die Döner-Industrie ein riesiger Markt. In Deutschland werden mehr Döner verdrückt als Pizzen, Hamburger und Curry-Würste. "Fast eine Milliarde Euro Umsatz pro Jahr macht die Döner-Branche in Deutschland, mehr als McDonalds und Burger King zusammen", erklärt Achim Doerfer. Etwa 50.000 Menschen arbeiten als Verkäufer in den Döner-Buden, noch einmal 5000 sind in Großbetrieben beschäftigt, die für die Herstellung der Lammspieße sorgen.
Achim Doerfer ist sich sicher: "Gerade in den Fleisch-Großbetrieben gibt es Nachwuchsprobleme, hier könnte es auf einmal 500 Ausbildungsplätze für Dönermacher geben." Ein deutscher Fleischer könne den Döner-Spieß nicht herstellen, meint Doerfer. "Die Döner-Herstellung erfordert viel Know-how. Die Technik, wie das Fleisch auf den Spieß kommt, muss man erst einmal erlernen. Der Dönermacher arbeitet mit dem fertigen Fleisch, er fängt erst da an, wo der Fleischer aufhört."
Hinzu kommt die religiöse Komponente: In der Ausbildung zum Dönermacher sollen gläubige Muslime nicht mit Schweinefleisch in Berührung kommen.
Kenntnisse in Hygiene und Betriebswirtschaft
Nicht nur in der Produktion, sondern auch im Verkauf sollen Jobs für Lehrlinge entstehen. Noch einmal 500 Stellen für Lehrlinge, rechnet Doerfer vor, könne es in den Döner-Buden geben. Döner-Fachverkäufer sollen an der Berufsschule über Lebensmittelhygiene unterrichtet, vor allem aber betriebswirtschaftlich geschult werden. "Bei den türkischen Betrieben haben wir eine noch viel höhere Insolvenzquoten als bei Deutschen, das liegt auch an einem Ausbildungsmanko."
Den eigenen Imbiss aufzumachen, das war für viele Einwanderer die Chance, in Deutschland selbstständig zu werden, sich niederzulassen. Die Döner-Buden in Deutschland seien ein Stück "interkultureller Dialog", wie Doerfer findet.
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Ob Industrie- und Handelskammer oder Handwerkskammer mitmachen und einen Döner-Lehrgang in ihrem Ausbildungskatalog zulassen, bleibt fraglich. Stephan Schwarz, Präsident der Handwerkskammer Berlin - der Stadt mit den wahrscheinlich höchsten Döner-Verbrauch in Deutschland, hat nichts gegen Döner. Aber die Döner-Zubereitung will er lieber in die Ausbildung zum Fleischer oder Koch integrieren: "Zu lernen, wie man Döner macht, können wir uns gut als Teil der Fleischerausbildung vorstellen, Pizza backen ist bereits jetzt Teil der Ausbildung für Köche."
Das klingt nach einer klaren Absage für Doerfers Idee. Der bleibt dennoch optimistisch: "Gespräche mit Vertretern der IHK werden zurzeit geführt." Bald will Doerfer, der FDP-Mann aus Niedersachsen, seine Vorschläge per Verordnungsinitiative im Bundesrat einbringen.
Als Pizzabäcker drei Jahre Lehrzeit
"Drehbraten-Fachverkäufer" oder so ähnlich könnte der neue Beruf dann heißen. Eine Zugangsbeschränkung soll mit einer neuen Ausbildung aber nicht verbunden sein. "Die Qualifikation zum anerkannten Dönermacher oder Döner-Verkäufer soll nur Option sein, kein Zwang", betont Doerfer.
Auch eine Ausbildung zum Pizzabäcker kann er sich vorstellen. Die gibt's in Italien immerhin schon. Drei bis vier Jahre geht ein Azubi dort in die Lehre, bis er ein gelernter und geprüfter "Pizzailo" ist. Das zahlt sich aus. Pizza aus Italien ist die Beste, das weiß jeder. Und auch die Marke "Döner aus Deutschland" soll ihren guten Klang behalten.
Wenn schon der Meisterzwang für die weniger lernintensiven Handwerksberufe
bald fällt, sollte es gut ausgebildete Leute beim Döner-Grill geben.
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