Es wird viel über die Integration der Türken in Deutschland gesagt und geschrieben. Ministerpräsident Erdogans Aussage, Assimilation sei ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit, erinnert an den Angriff der Borg in "Raumschiff Enterprise", Herr Huber aus Bayern beißt in guter alter bayerischer Tradition reflexartig zu, indem er den EU-Beitritt der Türkei in die Waagschale wirft. Doch so unterhaltsam diese Zwischenrufe sind, helfen sie bei einer Diskussion über die Integration nicht.
Wer in Deutschland leben möchte, muss sich zu Deutschland bekennen und Deutsch sprechen. Das sind die beiden Säulen der Integration und des gesellschaftlichen Miteinanders: erstens, das klare Bekenntnis zu Deutschland und seiner Verfassung; zweitens, das Beherrschen der deutschen Sprache. Diese beiden Säulen sind die Bringschuld der Einwanderer.
Die andere Seite der Medaille gehört der Mehrheitsgesellschaft und dem Staat. Der Staat - stellvertretend für die Mehrheitsgesellschaft - muss beide Säulen fördern, aber auch klar fordern. Und die richtigen Signale setzen. Auf die Wortwahl achten. Die Hand ausstrecken: Die deutsche Islamkonferenz, der Integrationsgipfel und der Nationale Integrationsplan 2007, das Integrationsministerium in NRW und zahlreiche andere Initiativen sind genau die richtigen Zeichen. Daher bin ich voller Hoffnung für die Zukunft, und das Glas ist für mich halb voll. Ich kann und will diejenigen nicht verstehen, die seit Jahrzehnten in Deutschland leben und kein Deutsch sprechen. Mir sind diejenigen fremd, die nur einen Türken bzw. eine Türkin heiraten wollen und alle anderen aufgrund ihrer Herkunft ausschließen. Ich glaube, dass diejenigen, die zu Hause in den eigenen vier Wänden über die Andersartigkeit der "Deutschen" lästern, nicht nach Deutschland gehören.
Ich kann und will aber ebenfalls diejenigen nicht verstehen, die jugendliche ausländische Straftäter ausweisen wollen, obwohl sie in der dritten Generation bei uns leben. Mir sind diejenigen fremd, die über Türken sprechen, wenn sie Ausländer meinen. Ich glaube, dass diejenigen, die die Diskussion um die Integration auf Schlagworte wie Zwangsheirat und Ehrenmord reduzieren, sich fragen sollten, wohin sie gehören.
Ich bin Deutscher - türkischer Herkunft. Meine Kinder sind hier geboren, meine Freunde leben hier, mein Lieblingsverein spielt in der Regionalliga Nord, das Rheinland (aber nicht Köln) lässt mein Herz höher schlagen, ich bin hier zur Schule gegangen und bezahle hier meine Steuern. Mein Innenminister heißt Schäuble und nicht Atalay. Deutschland ist meine Heimat.
Der Autor ist Director Strategie und M&A bei Ebay. Der Artikel gibt seine persönliche Meinung wieder